In Europa! (3)

Die Machenschaften der Gebrüder Kaczynski

Man glaubt es doch einfach nicht! In einer “Rede an die polnische Nation” wollte der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski am Montag die Auflösung der Regierung unter der Führung seines Bruders Jaroslaw bekanntgeben. Das wurde zumindest angekündigt. Erst am nächsten Morgen wurde klar, warum es dazu nicht kam.

Die regierende PiS hat Steuerreformen vorgeschlagen, die weit hinter den Wahlkampfversprechungen zurückbleiben. Von den groß angekündigten Steuersenkungen bleibt fast nichts übrig. In dieser Situation hatten die beiden populistischen Partner im Stabilitätspakt angekündigt, dass sie bei der Parlamentsabstimmung das Reformprojekt der oppositionellen PO unterstützen würden, da diese nach wie vor die Steuern senken wolle.

Jaroslaw Kaczynski, der PiS-Vorsitzende, rief dann wohl seinen Zwillingsbruder im Präsidentenpalast an, woraufhin dieser wieder die Keule mit den Neuwahlen schwang.

Gott schütze Europas Bananenrepubliken!

[derStandard.at: Polnischer Staatszirkus]

Die Aber-Auchs

Im heutigen Standard analysiert Christoph Winder eine Argumentationstaktik, die im Bezug auf den Karrikaturenstreit der letzten Wochen von der Mehrheit der Menschen in Europa übernommen wurde.

Die typische Satzkonstruktion, mit der der Aber-Auch auftritt, geht so (oder ähnlich): “Natürlich gibt es die Presse- und Meinungsfreiheit, aber auch die religiösen Gefühle der Muslime dürfen wir nicht verletzen.” Oder auch umgekehrt: “Natürlich gibt es die religiösen Gefühle der Muslime, aber auch Meinungs- und Pressefreiheit sind zentraler Wert unserer Gesellschaft”.

Mit dieser vermeindlich menschenfreundlichen Argumentation geht man allerdings einen faulen Kompromiss ein, indem man die Tatsache verleumdet, dass in unseren säkulären Demokratien “die Grundrechte dem religiösen Empfinden hierarchisch übergeordnet sind”. Damit akzeptiert man de facto, dass bestimmte Bevölkerungsteile aus religiösen Motiven Teile der demokratischen Werte nicht mittragen. Ein gefährliches Spiel!

In letzter Instanz sind Meinungs- und Pressefreiheit nicht verhandelbar. Das ist die Botschaft, die wir euch übermitteln müssen: so taktvoll wie möglich, aber in aller Festigkeit und ohne Aber-Auch.

[derStandard.at: Der fatale Fehler der Aber-Auchs]

Anti-Werbung: McDonalds

McDonald's Videogame

McDonald’s Videogame: Während Firmen und Organisationen bereits seit langem deren Werbewirkung erkannt haben, ist seit kurzem eine neue Kategorie von Computerspielen entstanden. Die sogenannten “anti-advergames” persiflieren die Machenschaften großer Firmen.

For decades McDonald’s corporation has been heavily criticized for his negative impact on society and envinronment.There are inevitably some glitches in our activity: rainforest destruction, livelhood losses in the third world, desertification, precarization of working conditions, food poisoning and so on…

Denying all these well founded accusations would be impossible so we decided to create an online game to explain to young people that this is the price to pay in order to preserve our lifestyle.

We’ll continue on our way, with our well-known determination.

[via monochrom]

Der Humorist

Der Humorist

Der Humorist stellt nach dem Wiener Lloyd einen weiteren Ableger der ungarischen Wochenzeitung Der Pester Lloyd dar. Dabei knüpft der Humorist, mit dem Untertitel “Nichtperiodisches aber chronisches Magazin für akute Kritik, heilloses Essay und erschießliche Gedanken” in neuer Form an eine lange Geschichte an. Seit 1837 erschien der Humorist in Wien als “eine Zeitschrift für Scherz und Ernst, Kunst, Theater, Geselligkeit und Sitte”. Leider ist diese humoristische Form der Berichterstattung in den letzten 100 Jahren fast zur Gänze verschwunden. Umso mehr freue ich micht über die Widerauferstehung des Humoristen. (Danke Marco!)

[Der Humorist]
[Der (alte) Humorist im Online-Zeitungsarchiv der österreichischen Nationalbibliothek]

In Europa! (2)

Lukaschenko in Putins Schoß

Kaum 24 Stunden sind vergangen, und schon muss ich wieder ‘was Negatives über Belarus lesen.

Irgendjemandes religiöse Gefühle hat Oleg Minich (42) nicht verletzt. Es müssen andere Gefühle gewesen sein, staatsmännische wohl, respektive diktatorische. .. Der weißrussische Satiretrickfilmer hatte unter anderem Staatschef Alexander Lukaschenko zum Objekt künstlerischer Betrachtung gemacht. Im September 2004 hatte er dazu mit Mitstreitern der weißrussischen Bürgerinitiative “Trety Put” (Dritter Weg) den politisch-satirischen Animationsfilmklub “Multclub” im Internet initiiert, um unter einem Pseudonym eigene Cartoons auf der Website zu veröffentlichen. .. Das Interesse der Staatsmacht folgte auf dem Fuß. Lukaschenkos Zorn, der in den letzten Jahren schon zur Schließung von etwa 20 Zeitungen und zur Inhaftierung dreier Journalisten geführt hat, muss groß gewesen sein. Am 16. August 2005 wurden alle Arbeitsgeräte des Trickfilmers und zweier Mitarbeiter konfisziert, Minich selbst wurde von der staatlichen Geheimpolizei (KGB) verhört und wegen Beleidigung des Präsidenten angeklagt.

Und dann blieb Oleg Minich nur noch die Möglichkeit der Flucht. Umso mehr Grund für mich, Werbung für diese Seite zu machen: МультКлуб.

Übrigens interessant, dass der KGB in Belarus auch noch so heißt, während er in Russland in FSB umbenannt wurde. Wenigstens ehrlich!

[derStandard.at: Flucht vor dem Zorn des Diktators]

In Europa!

WASHINGTON, 04. Februar (RIA Novosti). Das USA-Außenamt hat mitgeteilt, dass der geplante Weißrussland-Besuch des stellvertretenden USA-Außenamtschefs für Eurasien, Daniel Fried, und des Generaldirektors der Abteilung Außenpolitik des Chefsekretariats des Europarates, Robert Cooper, abgesagt wird. […]
Wie McCormack mitteilte, wurden Fried und Cooper weißrussische Einreisevisa verweigert.

Dabei hat Lukaschenko bei den Wahlen im März sowieso nichts zu befürchten. Mit einem Umbruch wie in der Ukraine ist in Belarus noch länger nicht zu rechnen. Leider!

[RIA Nowosti: Weißrussland-Besuch von USA- und EU-Offiziellen abgesagt]

ANNO dazumal (1)

Die Eröffnung der Wiener Stadtbahn

Station Praterstern 1899

Ich kann ja gar nicht genug Werbung für das Online-Zeitungsarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek (ANNO) machen. Es gibt meiner Menung nach keine interessantere Art Geschichte zu erfahren, als über alte Zeitungsartikel. In dem Sinne werde ich hier ab sofort in unregelmäßigen Abständen unter dem Titel “ANNO dazumal” den einen oder anderen Artikel featuren.

Der heutige Artikel beschäftigt sich mit der Erweiterung des wiener Stadtbahnnetzes um die Strecke vom Praterstern nach Meidling 1899. Eine Strecke, die auch heute noch von S- und U-Bahn befahren wird.

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Der 30. Juni 1899 ist ein Gedenktag in der Entwicklung Wiens, das mit diesem Tage den erstern Theil seiner Stadtbahn erhalten hat, welche diesen Namen verdient, und welche dem Verkehrsbedürfnisse der Kaiserstadt in wirklich schwer entbehrter Weise abhilft. Seit jenem Tage ist die Stadtbahnstrecke Praterstern-Verbindungsbahn-Meidling in Betrieb, welche den II. Bezirk mit Streifung der Inneren Stadt mit dem Süden und Westen Wiens verbindet und damit eine Verkehrslinie eröffnete, welche dem Bedürfnisse nach Decentralisierung der Bevölkerung bestens entgegenkommt. In wenigen Minuten ist man jetzt vom Stadtgebiete im Grün des Praters oder im Gebiete der Süd- und Westbahn, und die billigen Fahrpreise ermöglichen es Jedem, seine Wohnung in den lustigen und lichtreichen Vororten zu wählen, auch wenn ihn sein Beruf an den Aufenthalt in der Stadt bindet. Wir haben die neue Strecke mit unserem Zeichner durchwandert und die einzelnen Punkte derselben in wohlgelungenen Bildern festgehalten. Vorerst die prächtige Endstation Praterstern (Anm: siehe Bild), von der aus man einen entzückenden Ausblick in den Prater und auf das Panorama Wiens genießt. Von dort führt die Stadtbahn auf dem ehemaligen Viaduct der Verbindungsbahn zur Haltestelle Radezkyplatz, dem rießigen Doppelbahnhof Hauptzollamt, am Stadtpark vorüber zur Station Karlsplatz, im Wienflußbette an Margarethen und Mariahilf vorüber bis nach Meidling, wo sich die Bahn mit der bereits im Betrieb befindlichen Gürtellinie der Stadtbahn vereinigt. Nun fehlt noch die im Bau begriffene Donaucanallinie, um den eisernen Ring zu schließen, der Wien mit einem prakticablen Verkehrsnetze versieht, nach dem die Großstadt seit Jahrzehnten sich gesehnt hat.

[Quelle: Wiener Bilder, 9. Juli 1899]