Im heutigen Standard analysiert Christoph Winder eine Argumentationstaktik, die im Bezug auf den Karrikaturenstreit der letzten Wochen von der Mehrheit der Menschen in Europa übernommen wurde.
Die typische Satzkonstruktion, mit der der Aber-Auch auftritt, geht so (oder ähnlich): “Natürlich gibt es die Presse- und Meinungsfreiheit, aber auch die religiösen Gefühle der Muslime dürfen wir nicht verletzen.” Oder auch umgekehrt: “Natürlich gibt es die religiösen Gefühle der Muslime, aber auch Meinungs- und Pressefreiheit sind zentraler Wert unserer Gesellschaft”.
Mit dieser vermeindlich menschenfreundlichen Argumentation geht man allerdings einen faulen Kompromiss ein, indem man die Tatsache verleumdet, dass in unseren säkulären Demokratien “die Grundrechte dem religiösen Empfinden hierarchisch übergeordnet sind”. Damit akzeptiert man de facto, dass bestimmte Bevölkerungsteile aus religiösen Motiven Teile der demokratischen Werte nicht mittragen. Ein gefährliches Spiel!
In letzter Instanz sind Meinungs- und Pressefreiheit nicht verhandelbar. Das ist die Botschaft, die wir euch übermitteln müssen: so taktvoll wie möglich, aber in aller Festigkeit und ohne Aber-Auch.
[derStandard.at: Der fatale Fehler der Aber-Auchs]