Brno und die Weiße Moderne

Brno

Auf Eurozine findet sich ein Lettre-Artikel, in dem Karl Schlögel die Stadt der Weißen Moderne Brno beschreibt.

Brünn war eine der dynamischsten und modernsten Städte der Donaumonarchie, ein Zentrum der Textil- und Maschinenbauindustrie und der Lederverarbeitung. Seit dem Bau der Eisenbahnstrecke Wien-Brünn 1839 hatte sich die Stadt zu einem Verkehrsknotenpunkt entwickelt. Brünn war fast so etwas wie eine Vorstadt von Wien geworden.

[Eurozine: Karl Schlögel, Reise nach Brünn: eine Archäologie der Zwischenkriegsmoderne]

EFF entschlüsselt geheime Kennzeichnung von Farbkopien

Bereits im Jahr 2004 hat die Firma Canon die Negativ-Datenschutz-Auszeichnung Big Brother Award für ihre Praxis erhalten, auf jede Farbkopie einen mit bloßem Auge nicht sichtbaren Code aufzudrucken, der technische Details über den verwendeten Farbkopierer enthält. Der CCC beschreibt diese Technik in diesem Artikel.

Der Electronic Frontiers Foundation (EFF) ist es mit Hilfe einer großen Zahl von eingesendeten Beispiel-Drucken gelungen, den auf jedes Blatt gedruckten Punkt-Code zu entschlüsseln und detailliert zu beschreiben. Bei einigen Geräten wird nicht nur die Seriennummer des Gerätes aufgedruckt, sondern auch Datum und Uhrzeit.

[CCC: EFF entschlüsselt geheime Kennzeichnung von Farbkopien]

مغرب in die EU

Bei Gibraltar sind es 14 Kilometer, die die Europäische Union vom Maghreb trennen; bei Ceuta und Melilla sogar nur wenige Meter. In der Zeit hält Tahar Ben Jelloun ein eindrucksvolles Plädoyer für eine Annäherung des Maghreb an die EU. Dabei sind es hauptsächlich historische und kulturelle Fakten, die für einen Beitritt Marokkos, Tunesiens oder Algeriens in die EU sprechen.

Vor diesem Hintergrund sieht sich der Maghreb notwendigerweise als nächste Etappe: erst die Türkei, dann der Maghreb. Warum? Weil diese Region ein gemeinsames Stück manchmal schmerzlicher Geschichte mit mindestens drei europäischen Ländern teilt, nämlich mit Frankreich, Spanien und Italien. Heute drückt sich diese Bindung in Politiken der kulturellen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit aus. In Marokko spricht man Französisch und Spanisch, man liest die europäische Presse, schaut europäisches Fernsehen, träumt von Europa, kämpft um Schengen-Visa, kultiviert die Zugehörigkeit zum Mittelmeerraum und vor allem: Man zählt auf die Festigung der Modernität, um der islamistischen Welle zu entgehen. In Algerien wie in Tunesien ist Zweisprachigkeit die Regel.

[Die Zeit: Tahar Ben Jelloun, Die Barbaren kommen]

Was Europa wirklich trennt

Europakarte

Als spachinteressierter Mensch und leidenschaftlicher Teetrinker, hab’ ich mich immer schon gefragt, warum dieses Aufgussgetränk in manchen Ländern Europas “Tee” (tea, Tee, Thé, tè, תה, …) und in anderen “Chai” (чай, čaj, chá, chè, …) heißt. Die Wikipedia erklärt dies wie folgt:

The Chinese character for tea is 茶, but it is pronounced very differently in the various Chinese dialects. Two pronunciations have made their way into other languages around the world. One is ‘te’ (POJ: tê) which comes from the Minnan dialect spoken around the port of Xiamen (Amoy). The other is ‘cha’, used by the Cantonese dialect spoken around the ports of Guangzhou (Canton) and Hong Kong, as well as in the Mandarin dialect of northern China. … It is tempting to correlate these names with the route that was used to deliver tea to these cultures, but this correspondence does not follow. For example, most British trade went through Canton, which uses cha.

Zur Veranschaulichung hab’ ich eine Europakarte erstellt, die zeigt, in welchen Ländern Tee auch “Tee” heißt (rot), und in welchen “Chai” (grün).

E-Voting in Estland

Am 16. Oktober wählt Estland landesweit und setzt dabei auf E-Voting – 21 Prozent wollen diese Option nutzen. Neben der einfachen Bedienbarkeit sticht eine besondere Funktion hervor – die Wähler können ihren Wahlwunsch beliebig oft ändern.

Dabei kritisiert der estnische Staatspräsident Arnold Rüütel an diesem System vor allem, dass durch die Möglichkeit zur Stimmänderung Nicht-Computer-Wähler nicht mehr mit den Internet-Benutzern gleichgestellt sind. Verfassungsrechtlicher Kleinkram! Meine Sorge dabei ist eher, dass durch ein solches System Wählerstimmen zum ersten Mal wirklich direkt käuflich sind. Jemand darüber nachgedacht?

[futureZone.orf.at: Estland wählt online]