
Bei Gibraltar sind es 14 Kilometer, die die Europäische Union vom Maghreb trennen; bei Ceuta und Melilla sogar nur wenige Meter. In der Zeit hält Tahar Ben Jelloun ein eindrucksvolles Plädoyer für eine Annäherung des Maghreb an die EU. Dabei sind es hauptsächlich historische und kulturelle Fakten, die für einen Beitritt Marokkos, Tunesiens oder Algeriens in die EU sprechen.
Vor diesem Hintergrund sieht sich der Maghreb notwendigerweise als nächste Etappe: erst die Türkei, dann der Maghreb. Warum? Weil diese Region ein gemeinsames Stück manchmal schmerzlicher Geschichte mit mindestens drei europäischen Ländern teilt, nämlich mit Frankreich, Spanien und Italien. Heute drückt sich diese Bindung in Politiken der kulturellen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit aus. In Marokko spricht man Französisch und Spanisch, man liest die europäische Presse, schaut europäisches Fernsehen, träumt von Europa, kämpft um Schengen-Visa, kultiviert die Zugehörigkeit zum Mittelmeerraum und vor allem: Man zählt auf die Festigung der Modernität, um der islamistischen Welle zu entgehen. In Algerien wie in Tunesien ist Zweisprachigkeit die Regel.
[Die Zeit: Tahar Ben Jelloun, Die Barbaren kommen]