Dani le Rouge über die Pariser Unruhen

Clichy sous bois

Auf Spiegel Online findet sich ein Interview, in dem Daniel Cohn-Bendit über die Unruhen in den Pariser Banlieues spricht. Dabei kritisiert er vor allem die Polizeieinsätze in den betroffenen Vororten.

Cohn-Bendit: Seit Nicolas Sarkozy die Strategie beendet hat, Polizisten einzusetzen, die im Stadtteil verankert sind. Sarkozy schickt nur noch Spezialeinheiten in diese Gegenden, die jeden kontrollieren. Dadurch gibt es hier schon seit Jahren eine Stimmung des Misstrauens und der Kontrolle. Diese vermischt sich mit der ohnehin in Form von hoher Arbeitslosigkeit oder Rassismus in der Polizei vorhandenen sozialen Sprengkraft.

Um die Unruhen zu beenden, so Cohn-Bendit, sei es der falsche Weg allein auf härtere Polizeieinsätze zu setzen.

Cohn-Bendit: Schnell greifen könnte eine ganz andere Polizeistrategie. Einige Städte haben etwa Mediatoren, die versuchen, die Atmosphäre langsam zu entspannen. Aber das würde eine starke Bereitschaft der Polizei zur Selbstkritik voraussetzen. Wenn man aber glaubt, dass sich der Gewalt nur mit einem härteren Auftreten begegnen lässt, muss ich warnen: Das ist ein Vabanquespiel. Die Polizei kann hart auftreten und die Krawalle unterbinden, aber die Gewalt kann morgen in Montpellier, Lyon oder Marseille ausbrechen.

[spiegel.de: “Ghettos, wie man sie in Deutschland gar nicht kennt”]