
In der heutigen FAZ analysiert der Lyriker Andrij Bondar die Versäumnisse der orangenen Revolution und das Versagen des ehemaligen Revolutionsführers und jetztigen Präsidenten Viktor Juschtschenko.
Doch die Inkonsequenz des ukrainischen Präsidenten ist so offensichtlich, daß sich mir jetzt, da ich den zurückliegenden „heißen September†mit kühlem Kopf analysiere, ein Eindruck hartnäckig aufdrängt: Der Schüler Juschtschenko hat einfach nicht aufgepaßt, und er wird die versäumten Stunden nicht nachholen können. Er verlor an fast allen Fronten, ohne auch nur einen einzigen Fehler öffentlich einzugestehen, am wenigsten seinen größten – den Glauben an die eigene Unfehlbarkeit.
Mit der Wiederannäherung Juschtschenkos an seine ehemaligen Todfeinde Janukowitsch und den ehemaligen Präsidenten Kutschma trete der Ukraine in eine “Epoche der Konterrevolution” ein.
Die Gewinnerin dieser Entwicklung ist die vor einem Monat gestürtzte Premierministerin Julia Timoschenko. Da ihr Sieg bei den Parlamentswahlen im März 2006 fast schon fetstehe, appeliert Andrij Bondar an die europäischen Politiker, schon jetzt auf die künftige Präsidentin einzuwirken.
Es wäre unverzeihlicher Leichtsinn von Europa, das an einer stabilen proeuropäischen Regierung in der Ukraine interessiert sein muß, sie sich ausschließlich in östlicher Richtung entwickeln zu lassen. Obwohl schon heute eine starke Politikerin, ist Julia Timoschenko noch immer eine tabula rasa – ein unbeschriebenes politisches Blatt, das auf Wunsch mit pro-europäischen Projekten beschrieben werden kann.
[faz.net: Andrij Bondar, Revolution zu verschenken]