Heute habe ich, wie so oft schon, wieder einmal meinen Abend damit verbracht im Online-Zeitungsarchiv der Österreichichen Nationalbibliothek zu lesen. Im Folgenden z.B. Ausschnitte der Eroberung Straßburgs durch die Deutschen Truppen im Deutsch-Französichen Krieg 1870.
Am Sonntag den 24. Juli berichtet die Wiener Zeitung (html|pdf) von der Mobilmachung der Badischen Truppen und der Trennung der Verbindung von Kehl nach Straßburg über den Rhein:
Stuttgart, 21. Juli
In Kehl wurde am Sonntag Nachmittags die stehende Brücke auf beiden Seiten gedreht und die Schiffbrücke abgeführt und seither konnte man nur zu Schiff die Ueberfahrt bewirken.
Am 15. August ist dann zu lesen:
Karlsruhe, 10. August
Aus Straßburg hört die “Karlsr. Ztg.”, daß die deutschen Fremden angewießen worden seien, die Stadt und Festung binnen 24 Stunden zu verlassen.
Optimismus auf französicher Seite (Wiener Zeitung vom 21. August):
Paris, 16. August
Das “Journal officiel” schreibt: “Den Nachrichten zufolge, die vom Unter=Rhein eingehen, läßt noch nichts annehmen, daß die Feinde wirklich daran denken, Straßburg zu belagern.
9 Tage später hört sich das dann schon ganz anders an (Wiener Zeitung vom 30. August):
Paris, 25. August
Das Bombardement von Straßburg dauert fort.
Am Mittwoch den 7. September 1870 ist in der Wiener Zeitung (html|pdf) dann folgendes zu lesen:
Paris, 2. September
Der Commandant von Straßburg meldet, daß die Stadt sich trotz des bei Tag und Nacht fortgesetzten Bombardements halten werde.
In der vorgestrigen Sitzung des gesetzgebenden Körpers brachte Keller einen Bericht über den Zustand der Stadt Straßburg: “Man schreibt mir”, fragt er: “wir werden bald nichts als Haufen Schutt sein. Seit acht Tagen werden wir täglich acht bis neun Stunden lang bombardiet. Ein Viertel der Stadt ist schon verbrannt; das Hauptaugenmerk des Feindes ist der Münster (große Bewegung), auch ist er verbrannt (eine auf telegraphischem Wege bekanntlich widerlegte Angabe), der Dachstuhl zerstört, die Plateforme hat keine Balustrade mehr, die Thurmspitze ist stark beschädigt.” Nach diesem Briefe hatte der Bischof Schritte gethan, ein Aufgeben der Bombardements zu erlangen, hat aber eine abschlägige Antwort bekommen so wie es ihm auch nicht gestattet wurde, daß die Kinder und Frauen die Stadt verlassen konnten. Ferner erklärt Keller, daß die Bevölkerung Straßburgs ausgesprochen habe, sie würde lieber sich unter den Ruinen ihrer Stadt begraben lassen als sich ergeben. Keller verlangt darauf, daß die Kammer durch ein einstimmiges Votum erkläre, die heroische Bevölkerung Straßburgs habe sich um das Vaterland verdient gemacht (stürmischer Applaus) und daß die Stadt Straßburg nie aufhören werde französisch zu sein. […]
Überschattet von der Belagerung von Paris, der Gefangennahme Napoleons und der Ausrufung der Republik, ist erst am 9. Oktober ist wieder von der Situation in Straßburg zu lesen; dann aber bereits eine Art Résumée der Auseinandersetzung:
Karlsruhe, 7. Oktober
Geheimer Rath Engel, Director des statistischen Bureau in Berlin, welcher im höheren Auftrage nach Straßburg gegangen war, um die dortigen Verhältnisse näher zu prüfen, hat darüber in Heidelberg Mittheilungen gemacht. Dannach sind über 400 Häuser abgebrannt, 8= bis 10.000 Menschen obdachlos; nicht weniger als 1700 Zivilpersonen getödtet oder verwundet worden, worunter 56 Mitglieder der Feuerwehr. […] Was die Vernichtung der berühmten Stadtbibliothek mit ihren seltenen Werken und Urkunden betrifft, so können die Sraßburger selbst nicht von der Schuld freigesprochen werden, daß sie es unterließen dieselben aus dem Bereiche der Feuers zu schaffen. Wenigstens die Rettung der Unica hätte ein Leichtes sein können; sie waren leicht sicher zu bergen.