Rettet Grodno!

Grodno 1915
Quelle: harodnia.com

Mit diesem Brief möchten wir uns an die Intellektuellen in aller Welt wenden. Wir, weißrussische Historiker, Studenten und Kulturschaffende bitten um Hilfe, um die Zerstörung der wertvollen historischen Stadt Grodno aufzuhalten und ihr kulturelle Erbe zu retten. Wir setzen unsere letzte Hoffnung auf Ihre Reaktion, um unwiederbringliche Denkmäler zu bewahren.

Dies ist der erste Absatz eines offenen Briefes, in dem sich zahlreiche Intellektuelle an die Europäische Öffentlichkeit wenden, weil sie darin die letzte Chance zur Rettung der belarussischen Stadt Grodno sehen. In diesem Brief fordern sie den Stopp der Zerstörung des historischen Erbes der Stadt an der Memel.

Heute im Dreiländereck zwischen Belarus, Polen und Litauen gelegen, verfügt Grodno über eine wechselhafte Geschichte. Bis Ende des 18. Jahrhunderts de facto die Hauptstadt des polnisch-litauischen Reiches, fiel die Stadt nach der ersten Teilung Polens an das Russische Reich. Kurzzeitig von Napoleon besetzt, wurde Grodno erst nach dem Ersten Weltkrieg wieder eine polnische Stadt. Aber auch diese Periode war nicht von langer Dauer. Im Zweiten Weltkrieg zuerst von der Sowjetunion und dann von den Deutschen besetzt, ist Grodno seit 1945 Teil (des seit 1991 unabhängigen) Weißrusslands. Trotz zahlreicher Umsiedlungen, gehören auch heute noch etwa 40 Prozent der Bevölkerung der polnischen Volksgruppe an.

Diese vielfältige Geschichte hat Grodno aber auch zu einem einzigartigen architektonischen Erbe verholfen. Während es bereits in sowjetischer Zeit zu großen Zerstörungen kam, drohen aktuelle Entwicklungen ganze Teile der historischen Altstadt auszulöschen.

Die Rekonstruktion der Altstadt Grodnos wird ohne rechtlich vorgeschriebene archäologische Untersuchungen durchgeführt. Nur oberflächliche Schürfe wurden zugelassen – insgesamt haben diese nur einen winzigen Teil des historischen Zentrums abgedeckt. So werden Historiker in Zukunft nur noch erahnen können, was von den Bulldozern zerstört wurde. Selbst diejenigen einstigen Sehenswürdigkeiten, auf deren Fundamente man stieß, und die ohne weiteres wieder errichtet werden könnten, werden zerstört. Teile des Adelspalais der Radziwillows und des einstigen Rathauses wurden beschädigt, der alte Marktplatz wurde gänzlich beseitigt. Statt eine Sanierung vorzunehmen wurden weitere Denkmäler rekonstruiert, indem man an ihrer Stelle billige und schlechte Kopien entstehen ließ.

Wie Felix Ackermann berichtet, scheinen vor allem aber auch die alten jüdischen Viertel von den aktuellen städtebaulichen Maßnahmen bedroht zu sein.

[Mitropa: Rettet Grodno!]
[Vom Ufer der Memel: Eine Perle droht zu zerspringen]
[harodnia.com: Alte Postkarten]
[harodnia.com: Fotos von den aktuellen Zerstörungen]

TV-Tipp: Visions of Europe, Mo 5.6. 23h30 ORF2

25 Kurzfilme aus den 25 Ländern der Europäischen Union. Die Kurzfilme sind Statements zur EU-Erweiterung, mit den Themengebieten Einwanderung, Migration, Identitätssuche und Status-Kritik von namhaften Regisseuren wie Peter Greenaway, Fatih Akin, Barbara Albert und Aki Kaurismäki. Die individuellen Visionen gleichen Lichtkegeln, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf die Eigenarten dieser sich ständig in Bewegung befindlichen Staatengemeinschaft hinweisen.

[via BAOBAB Medientipp]

Metroblogging Leopoldstadt: Einstürzende Altbauten

Hinweisschild im AugartenHinweisschild im AugartenHinweisschild im Augarten
Quelle: eSeL

In einem flikr-Photostream berichtet eSeL von den Geschehnissen in und um den größeren der beiden Flaktürme im Wiener Augarten. Arg, wie weiträumig die Absperrungen jetzt angelegt wurden!

last night, I suppose during the thunderstorm, a wall came down inside one of the augarten-flaktuerme. will it collapse? they shut off the surrounding area. they even have security-men patrolling the fences, so I suppose, they’re not kidding …

Naja, vielleicht gerät nun ja nicht nur der Schutt im Inneren in Bewegung. Nachdem das Datencenter-Projekt anscheinend gestorben ist, wäre nun Platz für neue Überlegungen. Ich persönlich würd’ auf der genialen Terrasse des Turms ja gern ein Lokal sehen. Sicher eine geniale Aussicht!

[via monochrom]

canal*ACCESSIBLE

40 people with disabilities use mobile phones to photograph every obstacle they come across on the city’s streets. By means of multimedia messages they create a map of inaccessible Barcelona on the internet.

… beim diesjährigen Prix Ars Electronica mit der Goldenen Nica in der Kategorie “Digital Communities” ausgezeichnet.

[Link]

Linuxwochen 2006

Urania Wien
Quelle: pts

Nach dem Auftakt letzte Woche in Salzburg, geht’s Ende dieser Woche richtig los – am Freitag in Krems und Kapfenberg und am Samstag dann im Grazer Joanneum. Mittlerweile ist auch schon das Programm für die Wiener Linuxwochen online.

Partizipieren!

[Link]

In Wien! (3)

Vertrauen

In einem Wiener Außenringcafé. Kollege vom Hrn. Robert (Kellner) will abservieren.

Kollege vom Hrn. Robert: Esst’es des no, oder kann i’s scho’ mitnehm’a?

Vorhang zu.

Freie Softwarepolitik in Brasilien …, 8.5. Wien (2) (mp3)

Gestern Abend haben im Wiener Museumsquartier Eva Lichtenberger und Marie Ringler von den Grünen gemeinsam mit Claudio Prado über die innovative Softwarepolitik Brasiliens diskutiert (Der Wiener Lloyd berichtete). Claudio Prado ist der “Free Culture-Beauftragte” des brasilianischen Kulturministeriums. Eine Aufzeichnung der Veranstaltung findet sich hier (mp3).

Besonders begeistert haben mich seine Ausführungen, als Claudio Prado erzählt hat, mit welchen einfachen Mitteln sie es in Brasilien offensichtlich schaffen, diese “Trap” des 20. Jahrhunderts – wie er es nennt – zu überwinden. So zum Beispiel, als er von den Korbflechtern erzählt, die bisher ihre Körbe für umgerechnet 2 Cent an den nächsten Größhändler “verschenkt” haben. Mit einem vom Staat zur Verfügung gestellten Multimedia-Kit (Rechner & Netz) haben eben diese Leute nun die Möglichkeit ihre Körbe um durchschnittlich 20 Euro per eBay direkt an den Mann zu bringen. Eine Win-Win-Situation für Hersteller und Käufer und eine Möglichkeit Strukturen, die, ohne dabei selbst Neues zu schaffen, an den Werken anderer Leute verdienen, zu umgehen. Wirklich vorbildlich!

[via monochrom]