{"id":751,"date":"2006-09-18T12:10:09","date_gmt":"2006-09-18T11:10:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wienerlloyd.net\/?p=751"},"modified":"2006-09-18T12:10:09","modified_gmt":"2006-09-18T11:10:09","slug":"subjektive-karten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.wienerlloyd.net\/?p=751","title":{"rendered":"Subjektive Karten"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>La carte g\u00c3\u00a9ographique n\u00e2\u20ac\u2122est pas le territoire. Elle en est tout au plus une repr\u00c3\u00a9sentation ou une \u00c2\u00ab perception \u00c2\u00bb. La carte n\u00e2\u20ac\u2122offre aux yeux du public que ce que le cartographe (ou ses commanditaires) veut montrer. Elle ne donne qu\u00e2\u20ac\u2122une image tronqu\u00c3\u00a9e, incompl\u00c3\u00a8te, partiale, voire trafiqu\u00c3\u00a9e de la r\u00c3\u00a9alit\u00c3\u00a9. Voil\u00c3\u00a0 de quoi sonner le glas des illusions de cette partie du public qui lit la carte comme un fid\u00c3\u00a8le reflet de ce qui se passe sur le terrain.<\/p><\/blockquote>\n<p>Anl\u00c3\u00a4sslich der Erscheinung des neuen <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wienerlloyd.net\/wp-images\/link\" alt=\"\" \/><a href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.de\/pm\/.atlas\/atlas\">Atlas der Globalisierung<\/a> findet sich in der aktuellen Ausgabe von  <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wienerlloyd.net\/wp-images\/link\" alt=\"\" \/><a href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.fr\/\">Le Monde diplomatique<\/a> ein wunderbarer Artikel von Philippe Rekacewicz: <nobr><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wienerlloyd.net\/wp-images\/link\" alt=\"\" \/><a href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.fr\/2006\/02\/REKACEWICZ\/13169\">La<\/a><\/nobr><a href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.fr\/2006\/02\/REKACEWICZ\/13169\"> cartographie, entre science, art et manipulation<\/a>. In der deutschen Ausgabe ist der Artikel unter dem Titel <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wienerlloyd.net\/wp-images\/link\" alt=\"\" \/><a href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.de\/pm\/2006\/09\/15\/a0068.text.name,askJjiZas.n,0\">Der Kartograf und seine Welten<\/a> erschienen.<\/p>\n<p>Anhand zahlreicher Beispiele beschreibt Rekacewicz die politische Bedeutung von Landkarten. So kam es beispielsweise im Jahr 2002 auf einer Wirtschaftskonferenz in Prag zu regelrechten Tumulten, als dem aserbaidschanischen Vertreter eine Karte vorgelegt wurde, in der Bergkarabach als Teil Armeniens eingezeichnet war. Erst nach einigen Stunden konnten die Verhandlungen fortgesetzt werden.<\/p>\n<blockquote><p>Bei der Umweltministerkonferenz der UN im Februar 2001 unterbrachen die Vertreter der Volksrepublik China eine Plenarsitzung und verlie\u00c3\u0178en vor den ungl\u00c3\u00a4ubig staunenden Delegierten den Saal. Sie boykottierten die weiteren Verhandlungen, weil Taiwan auf einer Karte und in einem Arbeitspapier als unabh\u00c3\u00a4ngiger Staat auftauchte. Und sie kehrten erst wieder zur\u00c3\u00bcck, nachdem die beanstandeten Dokumente aus dem Verkehr gezogen waren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Karten l\u00c3\u00bcgen (immer)! So l\u00c3\u00a4sst sich der Schluss Rekacewicz&#8217; zusammenfassen. Sie l\u00c3\u00bcgen, weil sie, schon allein aufgrund der geographischen Verkleinerung, bestimmte Details verschweigen. Oft ist es aber auch nur politisches Kalk\u00c3\u00bcl, wenn Karten nicht den geographischen Tatsachen entsprechen. So schildert Philippe Rekacewicz etwa eindrucksvoll, mit welchen \u00c3\u0153beraschungen er und einige andere franz\u00c3\u00b6sische Kartographen konfrontiert waren, als sie nach dem Mauerfall 1989 Ostdeutschland besuchten.<\/p>\n<blockquote><p>Zu unserer Orientierung hatten wir nur ein paar alte topografische DDR-Karten. Aber die waren so falsch, dass wir so gut wie nichts von dem, was wir vor Augen hatten, auf ihnen wiedererkannten. Auf einem zehn bis zwanzig Kilometer breiten Streifen entlang der Grenze fehlten alle wesentlichen geografischen Bezeichnungen &#8211; Stra\u00c3\u0178en und D\u00c3\u00b6rfer, ja die gesamte Infrastruktur, alles, was auch nur irgendwie der Orientierung h\u00c3\u00a4tte dienen k\u00c3\u00b6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Andere Karten hingegen l\u00c3\u00bcgen nicht, weil sie verscheigen, sondern weil sie verf\u00c3\u00a4lschen. So sind Karten heutzutage ein sehr beliebtes Machtinstrument. Die &#8220;&#8230; heutigen M\u00c3\u00a4chte in Wirtschaft und Politik &#8211; Staaten, gro\u00c3\u0178e Lobbygruppen, internationale Konzerne und Organisationen &#8211; bedienen sich ihrer umstandslos, arrangieren hier und da die Wirklichkeit, um ihre Macht zu festigen oder uns ihre Sicht der Dinge einzupr\u00c3\u00a4gen&#8221;. Und nicht zuletzt spiegeln Landkarten nat\u00c3\u00bcrlich auch die sehr verschiedenen Weltanschauungen wieder.<\/p>\n<blockquote><p>Betrachtet man die Afrikakarten, insbesondere die in Europa produzierten, fallen als dominierende Farbeindr\u00c3\u00bccke ein sanftes Ockergelb und ein Dunkelgr\u00c3\u00bcn auf: die trockene, staubige Savanne und der dichte Regenwald auf \u00c3\u201equatorh\u00c3\u00b6he. Ein Gang \u00c3\u00bcber den Markt von Ouagadougou oder Bamako gen\u00c3\u00bcgt jedoch, um den tats\u00c3\u00a4chlichen Farbenreichtum Afrikas zu erfassen. Ein Lehrer im Tschad hat es einmal, als noch alle Schulb\u00c3\u00bccher im Lande aus Frankreich kamen, sehr sch\u00c3\u00b6n formuliert: &#8220;Irgendwas stimmt nicht mit den Karten. Sie sind so bleich, so fahl. Man k\u00c3\u00b6nnte meinen, sie seien krank.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>[Le Monde diplomatique: <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wienerlloyd.net\/wp-images\/link\" alt=\"\" \/><a href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.fr\/2006\/02\/REKACEWICZ\/13169\">La cartographie, entre science, art et manipulation<\/a>]<br \/>\n[Le Monde diplomatique: <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wienerlloyd.net\/wp-images\/link\" alt=\"\" \/><a href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.de\/pm\/2006\/09\/15\/a0068.text.name,askJjiZas.n,0\">Der Kartograf und seine Welten<\/a>] <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>La carte g\u00c3\u00a9ographique n\u00e2\u20ac\u2122est pas le territoire. Elle en est tout au plus une repr\u00c3\u00a9sentation ou une \u00c2\u00ab perception \u00c2\u00bb. La carte n\u00e2\u20ac\u2122offre aux yeux du public que ce que le cartographe (ou ses commanditaires) veut montrer. 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