{"id":696,"date":"2006-03-29T14:05:26","date_gmt":"2006-03-29T13:05:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wienerlloyd.net\/?p=696"},"modified":"2006-03-29T14:05:26","modified_gmt":"2006-03-29T13:05:26","slug":"keine-russen-in-der-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.wienerlloyd.net\/?p=696","title":{"rendered":"Keine Russen in der EU?"},"content":{"rendered":"<p>In der heutigen Ausgabe der Berliner Zeitung versucht Richard Wagner die ukrainischen Wahlergebnisse vom letzten Sonntag als Widerspruch zu der von Juri Andruchowytsch geforderten EU-Integration der Ukraine darzustellen. Andruchowytsch hatte in seiner Er\u00c3\u00b6ffnungsrede zur Leipziger Buchmesse (<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wienerlloyd.net\/wp-images\/link\" alt=\"\" \/><a href=\"http:\/\/www.mdr.de\/DL\/2623482.pdf\">pdf<\/a>) als Reaktion auf eine Aussage von G\u00c3\u00bcnter Verheugen<sup>1<\/sup> auf den Anspruch der Ukraine hingewiesen, Teil der Europ\u00c3\u00a4ischen Union zu sein.<\/p>\n<blockquote><p>\u00c3\u0153ber seine Klientel verliert Andruchowytsch kein Wort. Nichts dar\u00c3\u00bcber, dass in der Ukraine gegens\u00c3\u00a4tzliche Meinungen \u00c3\u00bcber die angestrebte Zukunft herrschen. Kein Wort davon, dass viele Bewohner sich als Russen verstehen. Ihm erscheint die Opposition vielmehr &#8220;frech&#8221; und &#8220;von Moskau bezahlt&#8221;. Kann es nicht sein, dass diese Gruppen blo\u00c3\u0178 andere Vorstellungen und Interessen haben? Die Wahlergebnisse vom Sonntag mit einem sehr hohen Anteil f\u00c3\u00bcr den pro-russischen Block bilden die Realit\u00c3\u00a4t leider genauer ab als die intellektuelle Rede.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist wohl wahr, dass die Ukrainer sehr unterschiedliche Vorstellungen von ihrer Zukunft haben. Auch \u00c3\u00bcber 15 Jahre nach dem Fall des Eisernern Vorhangs scheint in vielen K\u00c3\u00b6pfen ein Ost-West-Denken vorzuherschen. Aber gerade in einer Integration der Ukraine in die Europ\u00c3\u00a4siche Union besteht doch die historische Chance, dieses Kapitel der Geschichte endg\u00c3\u00bcltig abzuschlie\u00c3\u0178en. Solange die Ukraine in ihren Nationalgrenzen gefangen ist, wird sie vor der unl\u00c3\u00b6sbaren Aufgabe stehen, sich zwischen Ost und West entscheiden zu m\u00c3\u00bcssen. Als Teil einer gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178eren EU hingegen best\u00c3\u00bcnde f\u00c3\u00bcr die einzelnen Regionen der Ukraine zum ersten Mal die Chance, sich f\u00c3\u00bcr ihre Anliegen vor einer Europ\u00c3\u00a4ischen \u00c3\u2013ffentlichkeit Geh\u00c3\u00b6r zu verschaffen.<\/p>\n<p>Jahrhunderte lang kam Europa nicht zur Ruhe, weil V\u00c3\u00b6lker in Grenzen gezwungen wurden, mit denen sie sich nicht identifizieren konnten. Eben das ist ja auch der Grund f\u00c3\u00bcr all die Konflikte, die Europa auch heute noch belasten &#8211; sei es in Transnistrien, im Kosovo, im Baskenland, am Balkan oder in der Ukraine. Diese z.T. fast unl\u00c3\u00b6sbaren Konflikte k\u00c3\u00b6nnen durch eine EU-Integration und eine St\u00c3\u00a4rlung der Regionen mit einem Schlag entkr\u00c3\u00a4ftet werden. Daraus folgt unmittelbar die Idiotie der Schaffung neuer Grenzen, egal ob zu den Ex-Sowjetrepubliken, der T\u00c3\u00bcrkei oder Nordafrika. Juri Andruchowytsch hatte doch recht!<\/p>\n<p><small><sup>1<\/sup> Auf die Frage eines Journalisten nach der Zukunft der EU sagte Verheugen: &#8220;In 20 Jahren werden alle europ\u00c3\u00a4ischen L\u00c3\u00a4nder Mitglied der EU sein \u00e2\u20ac\u201c mit Ausnahme der Nachfolgestaaten der Sowjetunion, die heute noch nicht in der EU sind.&#8221;<\/small><\/p>\n<p>[Berliner Zeitung: <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wienerlloyd.net\/wp-images\/link\" alt=\"\" \/><a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/feuilleton\/537975.html\">Wer spricht f\u00c3\u00bcr die Ukrainer?<\/a>] <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der heutigen Ausgabe der Berliner Zeitung versucht Richard Wagner die ukrainischen Wahlergebnisse vom letzten Sonntag als Widerspruch zu der von Juri Andruchowytsch geforderten EU-Integration der Ukraine darzustellen. 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