{"id":550,"date":"2005-10-04T20:34:17","date_gmt":"2005-10-04T18:34:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wienerlloyd.net\/?p=550"},"modified":"2005-10-04T20:34:17","modified_gmt":"2005-10-04T18:34:17","slug":"der-chip-im-reisepass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.wienerlloyd.net\/?p=550","title":{"rendered":"Der Chip im Reisepass (updated)"},"content":{"rendered":"<p>Sp\u00c3\u00a4testens ab Mitte 2006 werden in \u00c3\u2013sterreich die neuen Reisep\u00c3\u00a4sse ausgegeben. Sie enthalten einen RFID-Chip, auf dem biometrische Daten des Passinhabers (Passphoto, Fingerabdr\u00c3\u00bccke) gespeichert sind. Wie die <a href=\"http:\/\/futurezone.orf.at\/futurezone.orf?read=detail&#038;id=275725&#038;tmp=3891\">futurezone<\/a> heute berichtet, m\u00c3\u00bcssen alle Inhaber eines \u00c3\u00b6sterreichischen Passes, der zwischen dem 26. Oktober 2005 und der Einf\u00c3\u00bchrung der Chip-Reisedokumente ausgestellt wird, k\u00c3\u00bcnftig f\u00c3\u00bcr die Einreise in die USA ein Visum beantragen. Dies ist aber nicht der einzige Grund, warum man noch bis zum 25. Oktober einen neuen Pass beantragen sollte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wienerlloyd.net\/wp-images\/pass.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wienerlloyd.net\/wp-images\/pass.jpg\" alt=\"Reisepass\" width=\"170\" style=\"float:right;\" \/><\/a><\/p>\n<p>In einer <a href=\"http:\/\/www.ccc.de\/epass\/CCC20051004?language=de\">Pressemitteilung<\/a> weist der Chaos Computer Club heute wieder auf die Probleme hin, die durch die Einf\u00c3\u00bchrung der neuen P\u00c3\u00a4sse entstehen. Zum einen tr\u00c3\u00a4gt die Speicherung personenbezogener Daten weder zur F\u00c3\u00a4lschungsicherheit der Dokumente, noch zur Terrorpr\u00c3\u00a4vention bei. Andy M\u00c3\u00bcller-Maguhn, Sprecher des CCC&#8221;: <em>Kein B\u00c3\u00bcrger sollte glauben, durch die Biometrie in Ausweisen k\u00c3\u00b6nnten Terroristen gefangen werden. Schlie\u00c3\u0178lich haben die T\u00c3\u00a4ter in der Vergangenheit immer einen g\u00c3\u00bcltigen Pass besessen.<\/em>&#8221; Ausserdem k\u00c3\u00b6nnten Terroristen noch immer auf P\u00c3\u00a4sse anderer Staaten ausweichen. Auch ist nicht sichergestellt, dass die Daten, die an allen internationalen Grenzen ausgelesen werden k\u00c3\u00b6nnen, nicht gespeichert bzw. f\u00c3\u00bcr andere Zwecke verwendet werden. Dieser Punkt stellt einen ganz klaren Eingriff in das Grundrecht auf Informationelle Selbstbestimmung dar.<\/p>\n<blockquote><p>Wozu also die praxisuntaugliche Technologie, \u00c3\u00bcber deren Einf\u00c3\u00bchrung ohne gesellschaftliche Debatte \u00c3\u00bcber die K\u00c3\u00b6pfe der B\u00c3\u00bcrger und des Parlaments hinweg entschieden wurde? Weshalb die \u00c3\u00bcberst\u00c3\u00bcrzte Einf\u00c3\u00bchrung? Der Verdacht liegt nahe, dass hier Lobbyisten ganze Arbeit geleistet haben und wirtschaftliche Interessen massiv unterst\u00c3\u00bctzt werden sollen. Die marode Bundesdruckerei mit ihren undurchsichtigen Eigentumsverh\u00c3\u00a4ltnissen und die auf ein Riesengesch\u00c3\u00a4ft lauernde Biometrieindustrie erwarten blendende Ums\u00c3\u00a4tze. Der B\u00c3\u00bcrger hingegen darf sich auf mehr \u00c3\u0153berwachung, neue digitale Datensammlungen und eine Technik, die nachweislich noch nicht einsatzreif ist, freuen.<\/p><\/blockquote>\n<p>R\u00c3\u00a9sum\u00c3\u00a9: Unbedingt noch innerhalb der n\u00c3\u00a4chsten zwei Wochen einen neuen Pass beantragen!<\/p>\n<p>Update: Auf <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/64565\">heise online<\/a> ist bereits einige Stunden nach der Ver\u00c3\u00b6ffentlichung der Pressemeldung des CCC die Reaktion der Lobbyisten zu lesen. Sachliche Argumente, die die Kritikpunkte des CCC wirklich widerlegen, sucht man darin allerdings vergeblich. So beginnt dieser Artikel gleich mit einer schwachsinnigen Polemik.<\/p>\n<blockquote><p>Trotz der Warnungen des Chaos Computer Clubs (CCC) vor &#8220;rot blinkenden Bildschirmen&#8221; beim versuchten Grenz\u00c3\u00bcbertritt &#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>Kein Kommentar!<\/p>\n<blockquote><p>Angesprochen auf die &#8220;BioP II&#8221;-Studie des Bundesamts f\u00c3\u00bcr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), die den existierenden Biometrie-Systemen noch keine ausreichende Praxistauglichkeit attestiert, entgegnete der IT-Chef des Bundes, dass man mit der &#8220;Fl\u00c3\u00a4chenbeschaffung&#8221; ja noch nicht begonnen habe. Eine &#8220;fl\u00c3\u00a4chendeckende elektronische Kontrolle&#8221; an den Grenzen werde es &#8220;erst in einigen Jahren geben&#8221;, betonte er.<\/p><\/blockquote>\n<p>Toll! Ob Staaten die von korrupten Menschen regiert werden auch &#8220;erst in einigen Jahren&#8221; auf die Idee kommen werden, dass man gespeicherte Daten der Einreisenden zu deren \u00c3\u0153berwachung ausnutzen bzw. damit einfach viel Geld machen kann? Ich glaube nicht!<\/p>\n<blockquote><p>Schallbruch weist die Argumente zur\u00c3\u00bcck: Es sei kein &#8220;Selbstzweck&#8221;, die P\u00c3\u00a4sse biometrisch aufzur\u00c3\u00bcsten, erkl\u00c3\u00a4rte er. Die von Deutschland durchgesetzten kryptographischen Verfahren w\u00c3\u00bcrden verhindern, dass der Pass unbemerkt ausgelesen und beschrieben werden k\u00c3\u00b6nne.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zweifels ohne! Wie wir im letzten <a href=\"http:\/\/chaosradio.ccc.de\">Chaosradio<\/a> (<a href=\"http:\/\/www.wienerlloyd.net\/?p=535\">Der Wiener Lloyd berichtete<\/a>) erfahren haben, scheint es wirklich so zu sein, dass die neuen P\u00c3\u00a4sse nur dann ausgelesen werden k\u00c3\u00b6nnen, wenn man sie auch selbst in der Hand hat. Um auf die im Chip gespeicherten Daten zugreifen zu k\u00c3\u00b6nnen, wird ein Zugriffsschl\u00c3\u00bcssel ben\u00c3\u00b6tigt, der auf dem maschinenlesbaren Bereich des Passes aufgedruckt ist. Allerdings verhindert auch dieses Sicherheitsmerkmal den m\u00c3\u00b6glichen Datenmissbrauch durch &#8220;autorisierte Stellen&#8221; nicht.<\/p>\n<p>Unerwartet ehrlich spricht man von Seiten der Industrie auch \u00c3\u00bcber die wirklichen Gr\u00c3\u00bcnde f\u00c3\u00bcr die Einf\u00c3\u00bchrung der elektronischen Reisep\u00c3\u00a4sse.<\/p>\n<blockquote><p>Endlich habe man im Bereich Biometrie dank der Industriepolitik der Bundesregierung nun &#8220;ein gro\u00c3\u0178es Referenzprozekt&#8221;, sagte Sandra Schulz, Bereichsleiterin Sicherheit beim Bitkom. Sie baut darauf, dass &#8220;mit dem E-Pass die wesentlichen Marktbarrieren entsch\u00c3\u00a4rft werden&#8221;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Marktbarrieren zu entsch\u00c3\u00a4rfen ist ja gut und sch\u00c3\u00b6n. Aber bitte nicht, wenn man daf\u00c3\u00bcr eine datenschutzrechtliche Katastrophe riskieren muss!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sp\u00c3\u00a4testens ab Mitte 2006 werden in \u00c3\u2013sterreich die neuen Reisep\u00c3\u00a4sse ausgegeben. Sie enthalten einen RFID-Chip, auf dem biometrische Daten des Passinhabers (Passphoto, Fingerabdr\u00c3\u00bccke) gespeichert sind. Wie die futurezone heute berichtet, m\u00c3\u00bcssen alle Inhaber eines \u00c3\u00b6sterreichischen Passes, der zwischen dem 26. 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