{"id":275,"date":"2005-01-09T05:35:31","date_gmt":"2005-01-09T03:35:31","guid":{"rendered":"\/?p=270"},"modified":"2005-01-09T05:35:31","modified_gmt":"2005-01-09T03:35:31","slug":"anno-1870","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.wienerlloyd.net\/?p=275","title":{"rendered":"Anno 1870"},"content":{"rendered":"<p>Heute habe ich, wie so oft schon, wieder einmal meinen Abend damit verbracht im <a href=\"http:\/\/anno.onb.ac.at\/\">Online-Zeitungsarchiv der \u00c3\u2013sterreichichen Nationalbibliothek<\/a> zu lesen. Im Folgenden z.B. Ausschnitte der Eroberung Stra\u00c3\u0178burgs durch die Deutschen Truppen im Deutsch-Franz\u00c3\u00b6sichen Krieg 1870.<\/p>\n<p>Am Sonntag den 24. Juli berichtet die Wiener Zeitung (<a href=\"http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?apm=0&#038;aid=wrz&#038;datum=18700724&#038;zoom=1\">html<\/a>|<a href=\"http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno_pdf.pl?aid=wrz&#038;datum=18700724\">pdf<\/a>) von der Mobilmachung der Badischen Truppen und der Trennung der Verbindung von Kehl nach Stra\u00c3\u0178burg \u00c3\u00bcber den Rhein:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Stuttgart, 21. Juli<\/strong><br \/>In Kehl wurde am Sonntag Nachmittags die stehende Br\u00c3\u00bccke auf beiden Seiten gedreht und die Schiffbr\u00c3\u00bccke abgef\u00c3\u00bchrt und seither konnte man nur zu Schiff die Ueberfahrt bewirken.<\/p><\/blockquote>\n<p>Am 15. August ist dann zu lesen:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Karlsruhe, 10. August<\/strong><br \/>Aus Stra\u00c3\u0178burg h\u00c3\u00b6rt die &#8220;Karlsr. Ztg.&#8221;, da\u00c3\u0178 die deutschen Fremden angewie\u00c3\u0178en worden seien, die Stadt und Festung binnen 24 Stunden zu verlassen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Optimismus auf franz\u00c3\u00b6sicher Seite (Wiener Zeitung vom 21. August):<\/p>\n<blockquote><p><strong>Paris, 16. August<\/strong><br \/>Das &#8220;Journal officiel&#8221; schreibt: &#8220;Den Nachrichten zufolge, die vom Unter=Rhein eingehen, l\u00c3\u00a4\u00c3\u0178t noch nichts annehmen, da\u00c3\u0178 die Feinde wirklich daran denken, Stra\u00c3\u0178burg zu belagern.<\/p><\/blockquote>\n<p>9 Tage sp\u00c3\u00a4ter h\u00c3\u00b6rt sich das dann schon ganz anders an (Wiener Zeitung vom 30. August):<\/p>\n<blockquote><p><strong>Paris, 25. August<\/strong><br \/>Das Bombardement von Stra\u00c3\u0178burg dauert fort.<\/p><\/blockquote>\n<p>Am Mittwoch den 7. September 1870 ist in der Wiener Zeitung (<a href=\"http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?apm=0&#038;aid=wrz&#038;datum=18700907&#038;zoom=1\">html<\/a>|<a href=\"http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno_pdf.pl?aid=wrz&#038;datum=18700907\">pdf<\/a>) dann folgendes zu lesen:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Paris, 2. September<\/strong><br \/>Der Commandant von Stra\u00c3\u0178burg meldet, da\u00c3\u0178 die Stadt sich trotz des bei Tag und Nacht fortgesetzten Bombardements halten werde.<br \/>\nIn der vorgestrigen Sitzung des gesetzgebenden K\u00c3\u00b6rpers brachte Keller einen Bericht \u00c3\u00bcber den Zustand der Stadt Stra\u00c3\u0178burg: &#8220;Man schreibt mir&#8221;, fragt er: &#8220;wir werden bald nichts als Haufen Schutt sein. Seit acht Tagen werden wir t\u00c3\u00a4glich acht bis neun Stunden lang bombardiet. Ein Viertel der Stadt ist schon verbrannt; das Hauptaugenmerk des Feindes ist der M\u00c3\u00bcnster (gro\u00c3\u0178e Bewegung), auch ist er verbrannt (eine auf telegraphischem Wege bekanntlich widerlegte Angabe), der Dachstuhl zerst\u00c3\u00b6rt, die Plateforme hat keine Balustrade mehr, die Thurmspitze ist stark besch\u00c3\u00a4digt.&#8221; Nach diesem Briefe hatte der Bischof Schritte gethan, ein Aufgeben der Bombardements zu erlangen, hat aber eine abschl\u00c3\u00a4gige Antwort bekommen so wie es ihm auch nicht gestattet wurde, da\u00c3\u0178 die Kinder und Frauen die Stadt verlassen konnten. Ferner erkl\u00c3\u00a4rt Keller, da\u00c3\u0178 die Bev\u00c3\u00b6lkerung Stra\u00c3\u0178burgs ausgesprochen habe, sie w\u00c3\u00bcrde lieber sich unter den Ruinen ihrer Stadt begraben lassen als sich ergeben. Keller verlangt darauf, da\u00c3\u0178 die Kammer durch ein einstimmiges Votum erkl\u00c3\u00a4re, die heroische Bev\u00c3\u00b6lkerung Stra\u00c3\u0178burgs habe sich um das Vaterland verdient gemacht (st\u00c3\u00bcrmischer Applaus) und da\u00c3\u0178 die Stadt Stra\u00c3\u0178burg nie aufh\u00c3\u00b6ren werde franz\u00c3\u00b6sisch zu sein. [&#8230;]<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00c3\u0153berschattet von der Belagerung von Paris, der Gefangennahme Napoleons und der Ausrufung der Republik, ist erst am 9. Oktober ist wieder von der Situation in Stra\u00c3\u0178burg zu lesen; dann aber bereits eine Art R\u00c3\u00a9sum\u00c3\u00a9e der Auseinandersetzung:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Karlsruhe, 7. Oktober<\/strong><br \/>Geheimer Rath Engel, Director des statistischen Bureau in Berlin, welcher im h\u00c3\u00b6heren Auftrage nach Stra\u00c3\u0178burg gegangen war, um die dortigen Verh\u00c3\u00a4ltnisse n\u00c3\u00a4her zu pr\u00c3\u00bcfen, hat dar\u00c3\u00bcber in Heidelberg Mittheilungen gemacht. Dannach sind \u00c3\u00bcber 400 H\u00c3\u00a4user abgebrannt, 8= bis 10.000 Menschen obdachlos; nicht weniger als 1700 Zivilpersonen get\u00c3\u00b6dtet oder verwundet worden, worunter 56 Mitglieder der Feuerwehr. [&#8230;] Was die Vernichtung der ber\u00c3\u00bchmten Stadtbibliothek mit ihren seltenen Werken und Urkunden betrifft, so k\u00c3\u00b6nnen die Sra\u00c3\u0178burger selbst nicht von der Schuld freigesprochen werden, da\u00c3\u0178 sie es unterlie\u00c3\u0178en dieselben aus dem Bereiche der Feuers zu schaffen. Wenigstens die Rettung der Unica h\u00c3\u00a4tte ein Leichtes sein k\u00c3\u00b6nnen; sie waren leicht sicher zu bergen.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute habe ich, wie so oft schon, wieder einmal meinen Abend damit verbracht im Online-Zeitungsarchiv der \u00c3\u2013sterreichichen Nationalbibliothek zu lesen. Im Folgenden z.B. Ausschnitte der Eroberung Stra\u00c3\u0178burgs durch die Deutschen Truppen im Deutsch-Franz\u00c3\u00b6sichen Krieg 1870. Am Sonntag den 24. 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